Erinnerungen an Martin Luther

Ausgewählt und neu erzählt von Manfred Lemmer


... vor der Himmelspforte abgewiesen?


Es empfiehlt sich, mit dem Nachwort zu beginnen. Darin zeichnet Manfred Lemmer mit wenigen kraftvollen Strichen ein sehr lebendiges Porträt des heroischen „Übermenschen“ und „Reformators wider Willen“ – das die vorangegangenen Geschichten und Anekdoten noch heller strahlen lässt, als wenn man sie ohne dieses „Grundwissen“ läse.

Zahlreiche kirchliche und weltliche Veränderungen, die tief ins Leben der Menschen hinein wirkten, führten zu fast grenzenloser Verehrung im Volk. Martin Luther war der Held der einfachen Leute, sie dankten ihm sein Tun mit immer wieder unermüdlich weitergegebenen Erzählungen verschiedenster Art ... „Zum historisch Verbürgten trat bald die Phantasie. Ein solcher Mann konnte ja nicht von ungefähr in die Welt gekommen, er mußte gleichsam im göttlichen Heilsplan vorgesehen und auf ihn mußte vorausgedeutet sein.“ (Seite 131) So wurde er zu einer Art Heiligem, der nicht nur allenthalben Gutes tat, sondern auch vielmals siegreich gegen den Höllenfürsten höchstselbst anging. Gerade diese Luther-Geschichten eigneten sich bestens als „protestantische Lehrstücke“ und belegen, wie sehr selbst der Teufel „daran interessiert war, den Sieg der Reformation zu verhindern.“ (Seite 132)

Wie beliebt der Namenspatron der halleschen Universität und weltgewandte Wittenberger war, zeigen überdies zahllose Luthereichen, -linden, -ulmen, -brunnen, -quellen und -steinen – sogar an Orten, wo er niemals war.

Familiäre Details (immerhin war er, der vormalige Mönch, mit einer entlaufenen Nonne vermählt!) und Wanderlegenden (so die vom Wurf mit dem Tintenfass) runden das Bild ab und können „besser als manche Festrede bezeugen: Luther lebt.“ (Seite 137)

Und nun: in medias res! 99 Texte und 30 Abbildungen warten darauf, ihren Lesern und Betrachtern mit hintergründigem Humor oder gemäßigtem Ernst anregende und vergnügte Stunden zu bereiten.

Margarete Wein in: scientia halensis – online, Dezember 2008

http://www.unimagazin.uni-halle.de/index.php?id=654