„Ein Printz, der ein Kayser seyn sollte …“

oder

Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau

 

Fürst Franz, die Vater-Figur. Wie aber wirkte sie, in Raum und Zeit, in Wort und Bild? Einer der profundesten Kenner des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs, der renommierte Germanist, Altphilologe und Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland Prof. Dr. phil. Erhard Hirsch, und die junge hallesche Kunsthistorikerin Kathleen Hirschnitz suchen in einem kleinen feinen Bändchen, das in der „edition scriptum“ im Renneritz Verlag herauskam, nach Antworten. Es ist die zweite Publikation in der Reihe „Neue Beiträge zum Dessau-Wörlitzer Kulturkreis“, herausgegeben vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. in Verbindung mit der Kommission zur Erforschung und Pflege des Dessau-Wörlitzer Kulturkreises. Den Anlass bot der 250. Jahrestag der Regierungsübernahme durch Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau am 20. Oktober 1758.

Im öffentlichen Bewusstsein (und in den Geschichtsbüchern) lange im Schatten seines Großvaters Leopold I. (des „Alten Dessauers“) stehend, war doch Fürst Franz der aufgeklärte Herrscher par excellence. Studienreisen mit seinem Freund Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff führten ihn in sehr jungen Jahren nach Italien, Frankreich, in die Schweiz, nach Holland und England und weiteten seinen Blick für die Welt. Nach seiner Rückkehr und dem Amtsantritt zögerte er nicht, die auf den Reisen gewonnenen Erkenntnisse in Anhalt-Dessau umzusetzen. Reformen waren die Folge: auf den Gebieten Bildung, Gesundheitswesen, Sozialwesen, Straßenbau, Land- und Forstwirtschaft und Gewerbe. So symbolisierten das Fürstentum an der Elbe und die klassizistische Residenz Dessau nicht nur einen der modernsten Kleinstaaten Deutschlands, sondern wurden zugleich zum Vorbild für andere Reformer und beispielhaft in seiner Wirtschaftskraft.

Schon im 18. Jahrhundert war das „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“ mit seinen weitläufigen, für jedermann zugänglichen landschaftlichen Parks und schönen Schlössern weithin bekannt. Ganz im Sinne der Aufklärung legte Fürst Franz auch großen Wert auf die Erziehung der Bevölkerung durch das Studium der Natur und der Wissenschaften. Seine Toleranzpolitik ermöglichte es, dass in Dessau die erste deutschsprachige jüdische Zeitung „Sulamith“ und unter Johann Bernhard Basedow das pädagogischen Reformgedanken verpflichtete, noch heute bestehende Philanthopin gegründet wurden. Auch Musik, Theater und Literatur erlebten in der Regierungszeit von „Vater Franz“ (erstmals wurde er 1777 so genannt) eine ungeahnte Blütezeit, die noch lange fortwirkte.

Leopold III. Friedrich Franz war in den Augen seiner Zeitgenossen – ähnlich wie Carl August von Weimar und Karl Friedrich von Baden – der vorbildliche Herrscher, ein Wunschbild schlechthin. Eben darum apostrophierte ihn Johann Joachim Winckelmann als einen Fürsten „der ein Kayser seyn sollte“.

Dem ursprünglich bereits 2005 für einen Katalog des Dessauer Museums für Stadtgeschichte geschriebenen Beitrag von Erhard Hirsch folgt eine – trotz kaum vorstellbarer Fülle wohl noch immer unvollständige – Betrachtung bildlicher Darstellungen des Fürsten von Kathleen Hirschnitz. Medaillons, Scherenschnitte, Gemälde, Plastiken zeitgenössischer und auch später lebender Künstler passieren in bunter Folge Revue. Berühmte Namen (Anton von Maron, Wilhelm Hartkopf, Johann Friedrich August Tischbein) stehen neben unbekannten, ordentlich katalogisierte Werke neben lückenhaften Überlieferungen – von insgesamt 85 Konterfeis weiß man; wie viele Abbilder des Fürsten Franz die bildende Kunst wirklich hervorgebracht hat, ist unbekannt. Dass für dieses Buch so viele erfasst werden konnten, ist elf verschiedenen Galerien, Museen und Bibliotheken zu danken.

Margarete Wein in: scientia halensis – online, Januar 2009

http://www.unimagazin.uni-halle.de/index.php?id=683